
© Philippe Fichot / Die Form
Die Schaukel - Eine Ausstellung zur Erotik
23. Juni bis 23. September 2001

Jeanna Fine © Annie Sprinkle
Eine Produktion von Das Gelbe Haus
unter Mitwirkung
von Dr. Hansueli Frey, Vättis
und Sascha Serfözö, eroticArtventures
eroticArtventures hat Werke folgender Künstler in diese Ausstellung eingebracht:
Valie Export, Irina Ionesco, Kelly Brill, Stephan Lupino, Mischa Good, Carmen Gomez, Eric Kroll, Raffael Benazzi, Ellen Cantor, Thomas Karsten, Lisa Ruckstuhl, Erotic Ex Libris du Cabinet Erotique, Michel Fingensten, Bill Chatwin, Claudine Hilbrand Leyvraz, Wang Xiao Hui, Gilles Berquet, Philippe Fichot, Claudia Boehm, Marc Adrian, Clemens Feigel, Claude Alexandre, Katja Peter, Charles Silver, Annie Sprinkle, Jean Cocteau, Verena Loeliger, Peter Aeschbacher, Werner Ritter, Lionel Bayol-Thömines, Anonym Photographer from the 20ties, Anna Sommer, Dahmane, Gundula Schulze, Esther Sailer, Sonja Feldmeier, Stuart Meat, David Hochbaum, Walter Lopez, Allan Jones, Sigmar Polke.
Die Ausstellung zeigt eine subjektive Auswahl von Arbeiten mit erotischem Inhalt aus der Zeit von 1870 bis in die Gegenwart. Die Räume werden abwechselnd mit Fotografie, MaIerei, Plastik und Installationen bespielt. Inder Ausstellung werden drei in sich geschlossene Teilbereiche geschaffen, die untereinander wiederum in Beziehung stehen und so eine inhaltliche Herausforderung für den Betrachter bilden: Literatur, Kunst und Herrensalonalltag. Der Samtvorhang der Zensur fällt.

©
Zur Geschichte der erotischen Literatur
Erotische Texte mit mehr oder weniger starkem erotischem Bezug sind aus nahezu allen literaturschaffenden Epochen überliefert. Die Tradierung dieser Texte war oft mit grossen Schwierigkeiten verbunden. Wer erotische Texte publizierte, setzte sich der Gefahr von gesellschaftlicher Ächtung und strafrechtlicher Verfolgung aus. Mit Hilfe verschiedener Beispiele erotischer Publikationen aller Art wird aufgezeigt, welche Strategien Autoren und Herausgeber anwendeten und anwenden mussten, um ihre Erzeugnissen an den Klippen von Zensur und Gesellschaftsmoral vorbeizubringen: Zahllose Bücher wurden als Privatdrucke herausgebracht und in den wohlbehüteten Hinterzimmern einschlägiger Buchhandlungen unter grössten Vorsichtsmassnahmen an den Mann gebracht.

Pussy 2 © J.K.
Potter
Immer wieder wurden ganze Auflagen beschlagnahmt und vernichtet - es versteht sich von selbst, dass solche Publikationen heute zu grössten bibliophilen Raritäten geworden sind. Zensur und Sittenpolizei wurden bewusst durch fingierte Druckorte, falsche Autorennamen und Erscheinungsjahre irregeführt. Pornographische Texte wurden als wissenschaftliche Werke aufgemacht und nur für ein ,,gelehrtes Publikum" angeboten. Ethnographische Studien boten Gelegenheit sich mit erotischen Äusserungen ausserhalb des eigenen Kulturkreises auseinander zusetzen. Ein beliebter Anknüpfungspunkt war die Verwendung altgriechischer und römischer Motive, die eine Beschäftigung mit erotischen Darstellungen quasi legitimierte.

© Joe Brockerhoff
Im Bewusstsein der abendländischen Kultur wurde der homoerotisch veranlagte Mensch lange Zeit derart tabuisiert, dass er nicht einmal als Begriff existierte. So wurde der ,,Homosexuelle" tatsächlich erst 1869 geschaffen! Nach ersten Emanzipationsversuchen im 19. Jahrhundert wurde er vorerst von der Medizin entdeckt und sogleich pathologisiert was immerhin eine Verbesserung der Situation bedeutete, wurden doch über Jahrhunderte gleichgeschlechtliche Handlungen in vielen Ländern mit dem Tode bestraft! Seit über hundert Jahren versuchten verschiedene mutige Männer und Frauen die Situation zu verbessern. Aus einer umfangreichen Sammlung werden Dokumente und Publikationen gezeigt, welche die Entwicklung des Bewusstseins dieser lange Zeit unterdrückten Minderheit und der damit verbundenen Emanzipationsbestrebungen und deren repressive Unterdrückung aufzeigen.

© Cabinet Erotique
Lausanne
Im Weiteren wird eine grosse Auswahl originaler Ex Libris aus der Sammlung des Cabinet Erotique in Lausanne zu sehen sein.

Barbitches © Carmen Gomez
Erotik in der Kunst
Erotika ist auch ein thematischer Bereich der Gegenwartskunst. Hätte man noch vor wenigen Jahren einen Fotoband wie etwa den aktuellen von Richard Kern in einer Buchhandlung bestellen wollen, wäre man wohl unter Protest in einschlägige Sexshops verwiesen worden. Die Akzeptanz gegenüber erotisch-pornografischen Darstellungen in Fotografie, Malerei, Plastik und Installationen als mögliche künstlerische Thematik hat zugenommen. Es braucht nicht mehr nur Namen eines arrivierten Gegenwartskünstlers oder einer -künstlerin um Werke mit sexualisierten Inhalten in klassischen Galerien und arrivierten Kunsthallen zu zeigen. Heute ist es im Grunde der Normalfall, dass Künstler, die ausschliesslich mit erotischen Inhalten arbeiten, in einem "offiziellem" Rahmen präsentiert werden.

Milch und Liebe © Claudia Boehm
Man denke dabei an Nobuyoshi Araki, dessen qualitativ hochwertige Arbeiten unter anderem den japanischen Umgang mit Erotik, Exhibitionismus und Prostitution thematisieren. In der Ausstellung sind neben Arbeiten von Araki u.a. international bekannte KünstlerInnen wie Raffael Benazzi, KeIly Brill, Gilles Berquet, Ellen Cantor, Marlene Dumas, Franz Eggenschwiler, Valie Export, Sylvie Fleury, Mayor Genêt, Noritoshi Hirakawa, Wang Xiao Hui, Fabrice Hybert, lrina lonesco, Zoe Leonard, Urs Lüthi, Sigmar Polke, Ursula Rogg, Kiki Smith, Annie Sprinkle, Andy Warhol u.a. vertreten.

Pamela © James Stiles
Erotik im Salon
L'érotisme des grands-pères
In einem dritten Teil sind Teile aus einer Schweizer Privatsammung mit dem wohl klingenden Titel "L'érotisme des grands-pères" zu sehen. Die Originalobjekte (Figuren, Nippes etc.) datieren aus der Zeit zwischen 1870 und 1930 und stammen aus aller Herren Länder, angefangen in Frankreich über England bis hin nach den USA. Die Sammlung ist in ihrer Art wohl einzigartig und ermöglicht einen Einblick in eine Zeit der optischen Freudenlust, in welcher der Zeitgeist noch nicht mit Pornografiedebatten behaftet war.
eroticArtventures hat das Künstlerprogramm für
diese Ausstellung erstellt, unter Mitwirkung
von:
– Les Barany, New York
– Sammlung Stöckli/Preissle Zürich
– Sammlung Lukas Handschin, Zürich
– Cabinet Erotique, Lausanne
– Clemens Feigel, Wien