MARC ADRIAN - THE CINEMATOGRAPHIC WORK 1+2

Marc Adrian radikalisierte den künstlerischen Ansatz eines wahrnehmungsästhetisch orientierten strukturellen Konzepts durch die Formulierung des Manifests des "methodischen inventionismus": Künstlerisches Denken und Gestalten betreibt er unter der Prämisse einer quasi wissenschaftlichen Recherche. Er lotet das Spannungsverhältnis zwischen rationaler Formgebung und irrationaler Wirkung ebenso aus wie das Verhältnis realer und illusionierter Bewegung. Bewegung ist Marc Adrians immaterielles künstlerisches "Medium": Bewegung, verursacht durch optische Illusion in den Hinterglasmontagen, Bewegung, hervorgerufen durch Spiegelung oder Licht, Bewegung, ausgelöst durch Wind in Mobiles, Bewegung, evoziert durch Sprachstrukturen, Bewegung als Grundkategorie seiner wegweisenden Filme.

Marc Adrian verbindet in seiner künstlerischen Realität den in der Theorie vorherrschenden kalten mechanistischen und entindividualisierten Tonfall mit politischen Inhalten, psychologischen Themen und sexuellen Motiven. Adrians konzeptioneller Ansatz bringt alle traditionellen Barrieren zwischen den künstlerischen Disziplinen zum Verschwinden: Ausser wegweisende Filme schafft Marc Adrian in produktivem Nebeneinander auch Mobiles, traditionelle Maltechnik und Hinterglasmontagen, Schreibmaschinengrafik sowie aus Permutationen entwickelte Gedichte und Theaterstücke. Das heute Selbstverständliche war seinerzeit Experiment und Wagnis. Adrians offenes Kunstkonzept wirkte impulsgebend auf die Öffnung des Kunstbegriffs in den sechziger Jahren und hat sein Wirkungspotential bis heute nicht verloren.

Dieter Bogner

BIOGRAFIE

1930 geboren in Wien
1948-54 Ausbildung zum Bildhauer an der Akademie der bildenden Künste, Wien (bei Fritz Wotruba)
1948 erste plastische Arbeiten
1949 einjähriger Aufenthalt in Italien und in der Provence; erste Ausstellung in Rom und Perugia; seitdem kontinuierliche Ausstellungen
1951 Matura an einem Wr. Realgymnasium
1952-54 Studienreisen nach Mailand und Paris (Grande Chaumière bei Ossip Zadkine)
1954 Studium der Kinetik, rhythmischer Interferenzen und optischer Strukturprobleme
1957-60 Gastschüler der Pariser Filmhochschule ITHEC; Mitarbeit beim Fernsehen und bei verschiedenen Filmproduktionen in Wien, Berlin und Hamburg; erste Filme zusammen mit Kurt Kren; Werke mit semantischen Infra-/Metastrukturen
1961 Gründungsmitglied der "Nouvelle Tendence", Zagreb
ab 1965 Studium der Wahrnehmungspsychologie an der Universität Wien bei Prof. Rohracher
1967 Theodor-Körner-Preis
1969 Prix Mondial du College International des Calculatrices Electroniques et des Recherche Visuelles, Zagreb
1970-73 Professor für Malerei und ästhetische Theorie, Kunstakademie, Hamburg
1971-72 Vorlesungen an verschiedenen amerikanischen Universitäten
seit 1973 freiberufliche Arbeit, Wien
1976 Preis für bildende Kunst der Zentralsparkasse, Wien
1980-81 Mitarbeiter am Center for Advanced Visual Studies des Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, USA
1982 Lehrauftrag an der Akademie für angewandte Kunst in Wien
1982-86 verschiedene Gastvorträge an Universitäten und Instituten in Europa und USA
1987-88 Hospizordinarius für visuelle Kommunikation an der Hessischen Universität, Gesamthochschule Kassel/td>
1988 Österreichischer Verteter an der Olympiad of Art, Seoul
1992 Würdigungspreis für Filmkunst, Wien
1995-96 Gastprofessur an der Akademie für bildende Kunst in Wien
seit 1965 lebt er abwechselnd in Österreich, Italien, Deutschland, Frankreich und USA.





DVD MARC ADRIAN - DAS FILMISCHE WERK 1






DVD MARC ADRIAN - DAS FILMISCHE WERK 2