MARC ADRIAN - DAS FILMISCHE WERK 1+2

Marc Adrian radikalisierte den künstlerischen Ansatz eines wahrnehmungsästhetisch orientierten strukturellen Konzepts durch die Formulierung des Manifests des "methodischen inventionismus": Künstlerisches Denken und Gestalten betreibt er unter der Prämisse einer quasi wissenschaftlichen Recherche. Er lotet das Spannungsverhältnis zwischen rationaler Formgebung und irrationaler Wirkung ebenso aus wie das Verhältnis realer und illusionierter Bewegung. Bewegung ist Marc Adrians immaterielles künstlerisches "Medium": Bewegung, verursacht durch optische Illusion in den Hinterglasmontagen, Bewegung, hervorgerufen durch Spiegelung oder Licht, Bewegung, ausgelöst durch Wind in Mobiles, Bewegung, evoziert durch Sprachstrukturen, Bewegung als Grundkategorie seiner wegweisenden Filme.

Marc Adrian verbindet in seiner künstlerischen Realität den in der Theorie vorherrschenden kalten mechanistischen und entindividualisierten Tonfall mit politischen Inhalten, psychologischen Themen und sexuellen Motiven. Adrians konzeptioneller Ansatz bringt alle traditionellen Barrieren zwischen den künstlerischen Disziplinen zum Verschwinden: Ausser wegweisende Filme schafft Marc Adrian in produktivem Nebeneinander auch Mobiles, traditionelle Maltechnik und Hinterglasmontagen, Schreibmaschinengrafik sowie aus Permutationen entwickelte Gedichte und Theaterstücke. Das heute Selbstverständliche war seinerzeit Experiment und Wagnis. Adrians offenes Kunstkonzept wirkte impulsgebend auf die Öffnung des Kunstbegriffs in den sechziger Jahren und hat sein Wirkungspotential bis heute nicht verloren.

Dieter Bogner


Marc Adrian