Alexandra Prusa - Tango als Lebensmotto

Sie ist in Florenz, im Berner Mittelland und in Paris aufgewachsen, hat familiäre Wurzeln in Petersburg, Prag, in Schweden und im Bernbiet, doch ihre wirklich eigene Welt fand sie erst nach zwei künstlerischen Studiengängen, Mitte Zwanzig, als sie den argentinischen Tango kennen lernte.

1983 hatte ihre Produktion "Tango Palace" am Zürcher Theaterspektakel Premiere, aber sie hätte damals wohl nicht geschworen, dass sie dem Tango auch noch zwanzig Jahre später engstens verbunden sein würde.
Die begeisterte Presse attestierte ihr zwar, sie hätte den Tango in die Schweiz gebracht. Und in der Film-Dokumentation des Westdeutschen Rundfunks über die Entstehung des Tanz-Theaters im Buenos Aires der Junta-Generäle und dessen anschliessende Europa-Tournee war von einer neuen Tango-Welle die Rede, welche "Tango Palace" ausgelöst hätte.
All das war Alexandra Prusa jedoch damals weder sehr bewusst noch wichtig. "Etwas Neues in meinem Leben, ein Gefühl, das ich bisher nicht gekannt hatte, nahm mich zu sehr in Anspruch: Das Verlangen nach etwas, das nicht da war - ausser wenn ich Tango tanzte. Und dann war es wie eine tiefe Sehnsucht", sagt sie heute.

Nach erfolgreicher zweijähriger Tournee mit "Tango Palace" legte sie den Tango als Theaterform ab, blieb aber seiner musikalischen und tänzerischen Kultur treu. Als international tätige Film- und Theaterschauspielerin wusste sie ihre am Tango geschulte lateinisch-slawische Eleganz einzusetzen, manchmal sogar in eigens für sie geschaffenen Choreographien. Und als Produzentin unabhängiger szenischer Produktionen arbeitete Alexandra Prusa weiter an ihren Motiven, die immer eine direkte Verbindung zu den Themen des Tango hatten: Verlust, Abschied, Liebes-Schmerz, Heimatlosigkeit - Sehnsucht.
Und diese Sehnsucht, fand sie heraus, war nur für Momente zu stillen, indem sie dem Tango weiter nachging. Sie hatte endlich verstanden, dass Tango ihr Lebensmotto war, oder noch vielmehr ihre Lebens-Substanz: "Tango ist mein Stoff, der süchtig macht und heilt".

Wenn immer ihr Zeitplan es ihr erlaubt, reist sie bis heute regelmässig nach Buenos Aires und zu anderen wichtigen Orten des Tango auf dem ganzen Globus, um als Lernende und als Lehrende das Universum des Tango weiter auszuloten. Und durch die Beschäftigung mit ihrem Thema als ganzheitlich kreativer Mensch versucht sie Antworten näher zu kommen auf Fragen, die sie seit ihrer frühen Kindheit beschäftigen: Wo wohnt die Seele des Menschen? Was ist stärker als momentanes (Un-)Glück? Oder: Ist Sehnsucht heilbar?

Alexandra Prusa-Lebens-Stationen

- Florenz-Langenthal-Paris: Kindheit und Jugendzeit
- Zürich: Kunsthochschule, eidg. Grafik-Diplom
- New York: Free-Jazz und Anlauf zur Schauspielerei
- Hamburg: Schauspiel-Ausbildung als Werkstudentin
- Hamburg: Engagement am Schauspielhaus
- Zürich: Freischaffend als Schauspielerin und Produzentin
- Buenos Aires: Regelmässige Flucht-, Sehnsuchts- und Arbeits-Destination
- Paris: Zweiter Wohnsitz, Kreativ-Arbeitsort für Tanz und Musik



Alexandra Prusa
Foto: Janine Guldener